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Die Zukunft rief, also machten wir uns auf den Weg… nach Nieklitz. Das erste Mal gehört bzw. gelesen habe ich von Nieklitz im enorm Magazin. Durch das Projekt „Wir bauen Zukunft“ hat es das kleine Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, ca. 70 Kilometer östlich von Hamburg, ins Magazin geschafft. Der Artikel hat mich neugierig gemacht, neugierig darauf, wie dieser Weg nach Utopistan aussieht. Ein Tag der offenen Tür Mitte August kam da sehr gelegen. Jenna, Patricia und Dennis brauchte ich auch nicht lange zu überzeugen…. also auf nach Meck-Pomm.

Bei der Begrüßung und der Vorstellung des neuen Zonierungsplanes des Geländes erfahren wir und die ca. 100 anderen Besucher mehr über das Projekt, die Menschen dahinter und diesen wunderbaren Ort.

Zonierungsplan
Der neue Zonierungsplan wird den Gästen präsentiert.

Am Anfang stand die Überlegung, wie man die Earthship-Idee und das Thema autarkes, nachhaltiges, zukunftsweisendes Leben nach Nieklitz und die Region bringen könne. Konkreter wurde die Planung als sich beim Bau des Earthship Tempelhof neue Kontakte ergaben und weitere Mitstreiter mit ins Boot kamen. Zurück kamen sie aus Süddeutschland v.a. mit einer Erkenntnis: mit vielen motivierten Menschen lässt sich etwas Neues kreieren und bauen.

Was in Nieklitz kreiert werden soll bzw. schon mitten im Entstehen ist, ist ein Experimentierfeld für zukunftsgewandtes, innovatives Bauen, Leben und Lernen. Das Besondere ist, dass hier schon gebaut wurde, nämlich das ehemalige Zukunftszentrum Mensch – Natur – Technik – Wissenschaft (ZMTW). 2016 hat die neu gegründete Genossenschaft „Wir bauen Zukunft“ den insolventen Park gekauft und das zehn Hektar große Gelände in Betrieb genommen, inkl. zusätzliche acht Hektar Waldflächen, 13 Seen und viele Bestandsgebäude. Im öffentlichen Bereich finden ein Café, Seminarräume und Werkstätten Platz, sowie unter nachhaltigen Aspekten gebaute Übernachtungsmöglichkeit für Seminargäste. Überlegungen für den Bau eines earthships, einen essbaren Waldgarten oder Landwirtschaft nach Permakulturaspekten hat die Gruppe aber auch noch.

Hinter dem Projekt steht eine bunt gemischte Gruppe aus ca. 25 Leuten aus verschiedenen Ecken Deutschlands mit ganz unterschiedlichen Hintergründen (Architektur, Design Thinking, BWL, Film, Kommunikation, Handwerk….).

„Wir bauen Zukunft“ will ein Leuchtturmprojekt sein und Vorbild für andere werden. Und so wurde auch am Tag der offenen Tür die Einladung ausgesprochen, sich mit eigenen Projekten vor Ort zu verwirklichen und einzubringen. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass der Wertekanon der Genossenschaft zu respektieren ist. Dieser umfasst die Prinzipien Kreislaufwirtschaft, Permakultur Design, Open Space, nachhaltiges Bauen & Planen, verantwortungsbewusstes Miteinander und nachhaltiges Unternehmertum. Da würden wir am liebsten auch gleich unsere Unterschriften daruntersetzen.

Ein weiterer Programmpunkt des Tages war die Führung über das Gelände. Wir hatten die Wahl zwischen drei Themenschwerpunkten: „Wasserwege“, „Pflanzen“ und „Bauen“. Ich entscheide mich für Letzteres, da ich unbedingt das Tiny House sehen möchte.

Ein ehemaliger Bauwagen wird momentan mit heimischen Hölzern zu einem „Tiny House“ mit 18 Quadratmeter Wohnfläche umgebaut. Entlang eines verschlungenen Weges – dem „Feenweg“ – entstehen Nischen für weitere Häuser dieser Art.

In einem alternativen Gewächshaus wird an einer geeigneten Anbaumethode für Tomaten getüftelt.

Jost baut für sich und seine kleine Familie eine Wohnjurte „deluxe“. Das 40 Quadratmeter große, winterfeste Rundhaus ist komplett modular konzipiert und wird sich an einem Tag ab- und aufbauen lassen. Geplant sind noch zwei weitere Jurten: eine komplett aus Recyclingmaterial und eine Dritte kostengünstige Version. Privates Wohnen ist auf dem Gelände aktuell allerdings nur für zwei Hausmeisterfamilien erlaubt.

Fleißig und wohl mit etwas Zeitdruck hat Upcyclingkünstlerin Hanna an der Bettenburg gebaut. Im Seminarhaus sollen zwölf Schlafplätze für zukünftige Seminargäste entstehen, z.B. für das Anfang September stattfindende „Open State of Politics“ Camp. Die Schlafwaben werden alle ganz individuell gestaltet und dabei fast nur gebrauchtes Material verbaut und genutzt, z. B. geschenkte Lattenroste oder Matratzen. „Zero Waste“ also, finden wir super ;).

Letzte Station der Führung ist der Biomeiler – ein Biomasse Kraftwerk.

Der große Komposthaufen aus Hackschnitzel und Mist versorgt das Seminarhaus ca. 18 Monate lang mit Wärme. Durch Gärprozesse wird das kalte Wasser, das über Pumpen aus dem Haus in den Biomeiler geleitet wird, auf ca. 70 Grad aufgeheizt und wieder zurück ins Haus geführt. Etwas fachmännischer erklärt Jost, der uns auch übers Gelände geführt hat, das Prinzip eines Biomeilers hier:

Der Tag der offenen Tür endete mit einem Screening von „Tomorrow: Die Welt ist voller Lösungen“. Auch das Projekt aus Nieklitz würde wunderbar in diesen inspirierenden und Mut machenden Film passen. Genauso beschwingt wie ich war, nachdem ich den Film das erste Mal gesehen habe, fühle ich mich nach einigen Stunden in Nieklitz. Voller Ideen und Inspirationen ging es wieder zurück nach Hamburg. Das war bestimmt nicht der letzte Besuch.

Fazit des Tages: Die Zukunft ist besser als ihr Ruf.

Mehr Infos über das Projekt findet ihr hier: http://wirbauenzukunft.de

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